Seminare & Vorträge


Orte der Vernichtung - Zur Repräsentation der Shoa im Film
Tagesseminar oder Vortrag mit Mikko Linnemann

Wenige geschichtliche Ereignisse werden so häufig im Film thematisiert wie die Vernichtung der europäischen Juden. Die inhaltlichen Ausprägungen und die gewählten ästhetischen Konzepte könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Im Kern berühren alle diese medialen Produkte — bewusst oder unbewusst — die Frage nach der grundsätzlichen Darstellbarkeit von vergangenen Ereignissen. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass (fast) keine dokumentierenden Filmbilder der konkreten Vernichtung und ihrer Orte existieren. Daher sind alle Filmemacher/innen, die zum Thema arbeiten, darauf angewiesen, Bilder zu konstruieren — oder auf die Bilder der Täter zurückzugreifen und damit ihren Blick zu übernehmen. Dies bringt eine erhebliche Anzahl von inhaltlichen und ästhetischen Entscheidungen mit sich, die zu treffen sind. Gestaltet als einführender Überblick zur Repräsentation der Shoa im Film werden in diesem Online-Seminar ausgewählte Spiel- und Dokumentarfilme mit sehr unterschiedlichen ästhetischen Zugängen zum Thema vorgestellt. Leitend wird die Frage sein, welche ästhetischen Mittel benutzt werden und wie diese Mittel auf die Zuschauer wirken. Dabei wird es auch um die Frage gehen, welche Ästhetiken angemessen erscheinen und welche nicht. Dieses Urteil soll durch das Anwenden von filmwissenschaftlichen Methoden adäquat begründet werden. Durch das Kennenlernen von spezifisch filmanalytischen Begriffen wird den Teilnehmer/innen ein Instrumentarium an die Hand gegeben, das die befähigt, sich kritisch mit der filmischen Repräsentation der Shoa zu beschäftigen. Sie lernen zu verstehen, wie die Filme gemacht sind, welche standardisierten Formen und Konventionen es gibt und wie diese vermieden werden.

Die Veranstaltung ist in zwei Formen möglich: entweder als ausführliches (Online-)Tagesseminar (7-8 Stunden) oder als komprimierter (Online-)Vortrag inklusive Diskussion (3 Stunden).

Orte der Vernichtung - Zur Repräsentation der Shoa im Film [pdf]

Termine

07.11.2020: Veranstaltungen zur Ideologiekritik Münster (Online-Vortrag)
08.11.2020: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung (Online-Vortrag)
27.01.2021: AStA der Universität Oldenburg (Online-Vortrag)
07.04.2021: Bündnis gegen Antisemitismus Köln (Online-Vortrag)



Look now! Einführung in die Analyse von Spielfilmen
Wochenend-Seminar mit Mikko Linnemann

Jeden Tag strömen unzählige Abbilder der Wirklichkeit auf uns ein. Ob fiktional oder dokumentarisch — sie sind immer nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit, also eine vermittelte Realität.
Das Sehen von Spielfilmen ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Dennoch ist die Kenntnis künstlerischer Ausdrucksformen, besonders filmsprachlicher Mittel, im Allgemeinen unterentwickelt. Anders als bei der Literatur, deren Erzählformen in der Schule erlernt werden, gibt es dort kaum Heranführungen an die ästhetischen Gestaltungsmittel des Films. Auch Erwachsene sehen sich Filme an und haben Spaß daran. Die Filmrezipienten begegnen dem Film meist als Freizeitunterhaltung. Die Filmkritik geht einen Schritt weiter und versucht sich an einer Einordnung des Gesehenen. Sie stellt Zusammenhänge her und fällt ein mehr oder weniger gut begr ündetes Urteil. Die Auseinandersetzung ist dabei geprägt durch das Primat der Handlung. Filmrezensionen beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Narrativen, dem Inhalt. Die Form gerät in den Hintergrund. Ein Film ist jedoch die Einheit von Form und Inhalt.
Die Filmanalyse hingegen versucht das Nachdenken über Film zu systematisieren. Sie reflektiert das Medium gezielt und interessengeleitet und macht ihre Erkenntnisse intersubjektiv nachvollziehbar. Sie geht über das spontane Nachdenken über Film hinaus und führt zu einer systematischen, methodisch reflektierten Beschäftigung mit dem Medium. Das Kennenlernen von spezifischen Begriffen schärft die sinnliche Wahrnehmung und gibt ein Instrumentarium an die Hand, dass die Teilnehmer*innen befähigt, sich kritisch mit filmischen Produkten zu beschäftigen und ihr Urteil adäquat zu begründen. Sie lernen zu verstehen, wie Filme gemacht sind, welche standardisierten Formen und Konventionen es gibt und wie diese ggfs. unterlaufen werden. Nicht zuletzt bietet die Filmanalyse die Möglichkeit zur Vervollkommnung der künstlerischen Geschmacksbildung. Durch das Illustrieren der Analyse mittels zahlreicher Filmbeispiele aus dem Fundus der Filmgeschichte, vermittelt das Seminar zudem einen Eindruck der vielfältigen Möglichkeiten des Mediums und liefert einen ersten Einblick in die Filmgeschichte.

Das Seminar findet als (Online-)Wochenendseminar statt (2x 7-8 Stunden). So gibt es genug Raum und Zeit, die einzelnen Aspekte des Films intensiv zu diskutieren. Es werden Papier und Stift bzw. digitale Möglichkeiten zur Anfertigung von Notizen benötigt.

Look now! Einführung in die Analyse von Spielfilmen [pdf]

Termine

05.09.2020: Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung (Online)